|



.x.| Register⭧| ABC⭧| RE:⭧| 5 Scan | ocr | Polyto | Sum | 5.May | WS | Page



RE:Augustinus 2


'''2)''' Aurelius Augustinus, Bischof von Hippo regius (f 430). Geboren am 13. November 354 zu {{RE siehe|Tagaste}} in [[RE:Numidia|Numidien]], hcrangewachsen unter christlichen Einflüssen, erwarb er sich in seiner Vaterstadt und in dem benachbarten [[RE:Madaura|Madaura]] eine seinem Stande - der Vater war [[RE:Decurio 1|Decurio]] in 4 Tagaste - entsprechende Bildung, um sich seit 371 in [[RE:Karthago|Karthago]] speciell für den Rhetorenberuf vorzubereiten. Wie vorher Vergil, war jetzt [[Cicero|Cicero]] (besonders der Hortensius.’) sein Lieblingsschriftsteller; sein religiöses Wahrheitsbedürfnis glaubte er durch Anschluss an die Secte der Manichaeer - doch nur als Katechumene, ''auditor - - zn'' befriedigen. Seit 375 etwa war er in Tagaste als Lehrer der [[RE:Grammatik|Grammatik]], bald darauf als Lehrer der gerichtlichen Beredsamkeit in Karthago thä- 5( tig; 383 siedelte er in gleicher Eigenschaft nach Rom, 384 durch Vermittlung des Symmachus nach Mailand über. Hier zog ihn eigenes Studium und Nachdenken, sowie die Predigt und die Persönlichkeit des Ambrosius vom Manichaeismus definitiv zum katholischen Christentum herüber; er gab 386 sein Lehramt auf und liess sich [[RE:Ostern|Ostern]] 387, zusammen mit seinem 15jährigen Sohne Adeo-datus, von Ambrosius taufen. Über Rom kehrte er nach [[RE:Africa|Africa]] zurück, von 388–391 hat er dort 60 teils in Karthago, teils in Tagaste ein der geistigen Arbeit gewidmetes Stillleben geführt; 391 wurde er, bereits hochangesehen in der Kirche seines Heimatlandes, zum Presbyter in Hippo regius geweiht. Nachdem er schon einige Zeit Mitbischof des {{RE siehe|Licinius 84|Valerius}} gewesen, wurde er nach dessen Tode 396 Bischof von Hippo regius und hat dies Amt bis zu seinem Tode am 28. August {{Seite|2364}} i) 430 bekleidet. A. ist nicht blos der bedeutendste n Kirchenfürst der africanischen Kirche, er ist der s einflussreichste unter allen ,Vätern* der alten s Kirche. An Gelehrsamkeit haben ihn Viele über 1 troffen; seine Vertrautheit mit der griechischen 1 Sprache war eine geringe (Spuren einer solchen. z. B. epist. 197, 2 über den Unterschied zwischen {{Polytonisch|καιροί}} und {{Polytonisch|χρόνοι}}), die mit der griechischen Lit-> teratur durch seinen Freund Hieronymus ver-; 10 mittelt; mit wohlfeilen Weisheitsbrocken aus den ihm bekannten Lateinern sich aufzuspielen, hat, er verschmäht, aber er ist trotz der unbedingten Hingebung an die Kirche und ihre Lehrsätze ein selbständiger und origineller Benker, und ihre grossen Grundsätze über Gnade und Erlösung mit allen Antrieben zu weiterer Entwicklung verdankt diese Kirche ihm. Sein Charakter ist bei aller Einseitigkeit ehrfurchtgebietend, frei von Eitelkeit und Selbstsucht lebt er nur für seine 20 Sache, immer wahrhaftig, würdig, begeistert. [[Adolf von Harnack|{{SperrSchrift|Harnack}}]] Dogmeugeschichte III. Über seine Schriftstellerei sind wir durch ihn selber gut unterrichtet; um 428 hat er in zwei Büchern ''Retractationes'' alle seine Veröffentlichungen - natürlich mit Ausnahme der zahllosen [[RE:Brief|Briefe]] und Predigten, die wir von ihm besitzen - in chronologischer Reihenfolge aufgezählt und missverständliche oder incorrecte Äusserungen darin rectificiert. Von besonderer Ent-10 wicklung seiner schriftstellerischen Kunst ist wenig zu spüren, rhetorische Eleganz hat er absichtlich gemieden, aber schlicht und klar, warm und entschieden hat er immer geschrieben. Weitaus das meiste behandelt kirchliche Gegenstände, doch hat A. auch der weltlichen Wissenschaft dienen wollen; noch in Mailand plante er die sieben ''disciplinée'' in je einem Buche zu behandeln; fertig geworden ist damals nur die [[RE:Grammatik|Grammatik]]; Dialektik, {{RE siehe|Rhetorik}}, Geometrie, Arithmetik, .0 Philosophie sind Fragmente geblieben; die [[RE:Musik|Musik]] hat er später in sechs Bänden ''quantum attinet ad cam partem, quae rythmus vocatur'' besprochen. Die letztgenannten Bücher sind uns erhalten, auch ein ''Uber de grammatica, principia dialecticae'' und ''rbetörices,'' sowie ''categoriae X'' unter A.s Namen, doch wird deren Echtheit bezweifelt. Ebenfalls der frühesten Periode um 386 gehören an die III libri contra Academicos, eine Streitschrift gegen den Skepticismus, ''de beata vita Uber) unus, II libri de ordine,'' 2 Bücher ''soliloquia'' (unvollendet) und die Schrift ''de immortalitate animac:'' in allen die Interessen und Gesichtspunkte des (neuplatonischen) Philosophen noch durchaus überwiegend. Unter seinen späteren Schriften - die wir nicht sämtlich aufzählen - sind weltberühmt geworden die 13 Bücher ''Confessionum,'' um 400 verfasst, eine Geschichte seiner inneren Entwicklung bis zum Tode seiner Mutter Monica 387 mit erbaulichen Reflexionen, und die 22 Bücher ''de civitate Del*'' eine Rechtfertigung Gottes in der Geschichte, unter dem frischen Eindruck der westgothischen Invasion begonnen, aber erst 428 vollendet. Seine exegetischen Arbeiten haben geringen wissenschaftlichen Wert, er verfolgt nicht nur die falschen Methoden der Zeit (Typik, Allegorese), sondern achtet zu wenig auf gleichmässige Erörterung aller Textstücke, überspringt vielfach dunkle und wichtige Partien, um unverhältnismässig lange {{Seite|2365}} bei den für seine Lieblingsgedanken ausgiebigen zu verweilen, vgl. die sehr ausführlichen ''enar-rationes in psalmos'' und die ''annotationes in lob,'' zum Neuen {{RE siehe|Testament A|Testament}} die ''expositio epistolae ad Galafas'' und die ''expositio quarundam pro-positionum ex epistola apostoli ad Romanos.'' Bedeutender sind seine dogmatischen und ethischen Abhandlungen, meistens Gelegenheitsschriften, dafür am charakteristischsten ''de diversis [[RE:quaestio 1|quaestio]]-nibus LX.XXIU, de fide et symbolo, de trinitate libri XV] de opere monachorum, de bono coniu-gali, de fide et operibus, de videndo [[RE:Deo|Deo]].'' Die 4 Bücher ''de doctrina christiana'' sind eine Art theologischer Encyclopädie, dasselbe in anderer, namentlich kürzerer Form das ''enchiridion ad Lauren-tium de fide spe et charitate; de cateehixandis rudibus'' eine praktisch gehaltene Katechetik. Über die Hälfte der Schriften A.s sind polemischen Charakters, unmittelbarer eingreifend in den Kampf gegen Haeresie und {{RE siehe|Schisma}}, der A.s Lebensaufgabe gewesen ist. Mit den Arianern hat er sich auseinandergesetzt in einem Buche ''contra sermonem Arianorum,'' mit dem Priscil-lianismus in ''ad Orosium'' und ''contra mendacium,'' doch das sind kleine Scharmützel; drei Feinde der Kirche hat er unermüdlich immer aufs neue in Wort und Schrift bestritten 1) die Manichaeer, 2) die Donatisten, und zuletzt von 411/12 an 3) die Pelagianer. Übrigens sind von diesen polemischen Arbeiten mehrere verloren gegangen, namentlich antidonatistische Tractate, wohl weil sie für spätere [[RE:Geschlechter|Geschlechter]], nachdem der [[RE:Donatismus|Donatismus]] verschwunden war, wenig actuelles [[RE:Interesse|Interesse]] hatten, z. B. ''contra quod attulit Centurins a Donatistis liber unus'' (retract. II 19) und ''admonitio [[RE:Dona|Dona]]-tistarum de Maximianistis I. 1'' (retract. II 29); weitaus die meisten sind erhalten. Unter den antimanichacischen ragen hervor durch Umfang und geistige Energie die 33 Bücher ''contra Faustum Manichaeum'' um 400, in denen er die Schrift eines -damals sehr angesehenen Manichaeers Faustus Punkt für Punkt reproduciert und zu widerlegen weiss; aber aufgenommen hat A. den Kampf gegen diese Secte schon bald nach seiner Bekehrung: ''de Genesi adversus Manichaeos libri II'' um 390, ''de utilitate credendi ad llonoratum liber I'' um 392/3, bald darauf ''contra Manichaeos de duabus animabus,'' sonst noch von grösserem Interesse ''contra Adimantum Maniehaei discipulum I. I'' 394 und ''contra epistoiam quam voeant funda- ' menti I. I'' 397; die Auseinandersetzung mit den Donatisten hat er begonnen um 393 in dem ''psdl-mus contra partent Donati'' (s. u. [[RE:Abecedarii|Abecedarii]]). bestimmt für die ''imperiti atque idiotae'' und das ''humillimum vulgus,'' am eifrigsten sie zwischen 400 und 412 betrieben: ''contra epistola m Pa rme-niani libri III, de baptismo libri VII. contra literas Petiliani libri III'' und - auf die für den Donatismus so verhängnisvolle ,Besprechung* zu [[RE:Karthago|Karthago]] im J, 411 bezüglich - ''brericulus coi-t lationis cum Donatistis libri III'' sowie ''post col-lationem contra Donatistas liber I.'' In die pela-gianische Controverse tritt A. 411/2 ein mit den 3 Büchern ''de peecatorum meritis et rémission? ac de baptismo parmdorum ad Marcellinum''; demselben [[RE:Marcellinus 49|Marcellinus]] widmet er bald darauf die gedankenreiche, energisch den Paulinismus vertretende Schrift ''de spiritu et litera'', [[RE:Pelagius 19|Pelagius]]<!--Rationalist. u. moralist. Theologe, Zeitgenosse Augustins, in Rom ab Ende 4.--> {{Seite|2366}} selber wird 412 offen bekämpft in ''de natura et gratia,'' und von da an erscheinen in rascher Folge die mit dem Streit um Gnade und Willensfreiheit zusammenhängenden Tractate 416 ''de gestis Pe-lagii liber I,'' 417 ''contra Pelagium et Coelestium de gratia Christi et de peccato originali libri II,'' 418 ''de nuptiis et coneupiscentia ad Valerium eomitem libri II,'' 418ff. ''contra duas epistolas Pelagianorum libri IV'' und, nachdem der kecke 10 und gewandte Bischof Iulianus von Eclanum die Führerschaft unter den Pelagianern übernommen, ''contra [[RE:Iulianum|Iulianum]] libri VI'' um 421. Gegen eine Überspannung seiner Praedestinationslehre durch adrumetinische Mönche schreibt er 426/7 ''de gratia et libero arbitrio'' und ''de correptione et gratia,'' gegen eine in Südgallien auftauchende Compromisstheologie ''de praedestinatione sancto-mm'' und ''de dono perseverantiae'' 428/9. Mit einer Gegenschrift des Iulianus setzte er sich in der 20 Weise der Bücher ''contra Baustum'' auseinander ''- (contra secundam Iuliani responsionem) opus imperfectum'' pflegt man das Werk zu titulieren -, als ihm die [[RE:Feder|Feder]] entsank nach Abschluss des sechsten Buches. Zu seinen spätesten Arbeiten gehört auch ein ''Spéculum,'' ein Sittenspiegel, hergestellt aus Worten der [[RE:Bibelübersetzungen|Bibel]], die zu diesem Zweck ganz - nach der Reihenfolge ihrer Bücher - durchgegangen wird. Für die Italaforschung ist dies Werk von höchstem Wert, nicht minder ein 30 unter demselben Namen gehendes, aber fälschlich dem A. zugeschriebenes, das nach ganz anderem Plan in 143 Kapiteln eine christliche Glaubensund Sittenlehre (Ide ''uno deo, Vide timoré do-mini,'' XII ''non periurandum)'' aus Schriftworten componiert. Natürlich sind auch viele andere Werke, meist anonyme, mit dem Namen A.s irrtümlich geschmückt worden - besonders bei den Homilien ist die Sichtung noch keineswegs vollendet -, darunter eins der interessantesten die 10 in zwei Recensionen erhaltenen ''Quaestiones Ve-teris et Nori Testamente'', die, jedenfalls vor-augustinisch, vielleicht von der Hand des [[RE:Ambrosiaster|Ambrosiaster]] herrühren. Unter den Gesamtausgaben der Werke A.s verdienen Erwähnung die Editio’ princeps bei Jo. Amerbach in [[RE:Bazela|Basel]] 1506 in neun Bänden, die von Des. [[Erasmus von Rotterdam|{{SperrSchrift|Erasmus}}]] Basel 1528/9, 10 Voll.; die zu Antwerpen 1577 in 11 {{RE siehe|Tomi}} erschienene, ''per thcologos Lowmicnses castigata.'' Die bisher beste 30 ist die zu Paris 1679–1700 erschienene und wiederholt nachgedruckte elfbändige Ausgabe der ''mo-nachi ordinis St. Benedicti e congrégation# St. Manri'' (vgl. {{SperrSchrift|Kukula}} Die Maurincrausgabe des Augustinus Teil I. II 1889/90. III 1, 1893. Rottmann er Bibliographische Nachträge zu Dr. R. {{SperrSchrift|Kukulas}} Abhandlung: die M. etc. Wien 1891), der verbreitetste Abdruck J. P. Migne Patrologia lat. t. XXXII-XLVII. Im [[RE:Corpus|Corpus]] script, ecclesiast. lat. Vindob. sind bis jetzt von A. veröffentlicht >0 nur das Spéculum (beide Recensionen) Vol. XII 1887 von Fr. Weihrich und die meisten anti-inanichaeischen Schriften Vol. XXV 1. 2. 1891. 92 von J. Zycha, in Vol. XLIV 1895 epistulae 1-3'1 von À1. Goldbacher. Die älteste Biographie A.s, fast allen Ausgaben seiner Werke vorgedruckt, rührt her von seinem Freunde Possidius, Bischof von Calama, der auch einen ''indiculus scriptorum Augustini'' verfertigt {{Seite|2367}} hat; noch immer sehr wertvoll ist die {{RE siehe|Vita}} A., die die Mauriner wesentlich unterstützt durch Tillemonts Fleiss und Scharfsinn aus A.s Schriften zusammengestellt haben (tom. I = Migne t. XXXII). Alts neuerer Zeit: Bindemann Der heil. Augustinus, 3 Bde. 1844–69. Fr. und P. Böhringer Die Kirche Christi und ihre Zeugen² XI 1877. A. Dorner Augustinus. Sein theologisches System und seine religionsphilosophische Anschauung 1873. H. {{SperrSchrift|Reuter}} Augustinische Studien 1887. Weitere Litteraturangaben bei Bar-denhewer Patrologie 1894,470-479. Eine allen Anforderungen der Wissenschaft genügende Biographie des grossen Mannes fehlt noch. Vgl. den Art. [[RE:Ennodius 1|Ennodius]].