William Lloyd Webber
William Southcombe Lloyd Webber (* 11. März 1914 in London; † 29. Oktober 1982 in London) war ein britischer Komponist, Organist und Musikpädagoge.
Frühe Jahre und Ausbildung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]William Lloyd Webber wurde 1914 als erstes von zwei Kindern in eine angesehene, aber relativ arme Londoner Familie[1] im Londoner Stadtviertel Chelsea hineingeboren. Seine Eltern waren William Charles Henry Webber (* 28. August 1886; † 1. November 1962),[2] ein selbstständiger Klempner, und seine Frau, Winifred Mary Gittins (* 30. November 1888; Sterbedatum unbekannt).[3] Ihr zweites Kind, Winifred Margaret Webber, wurde am 27. November 1920 geboren und starb im September 1984 im Alter von 63 Jahren.[4] Laut Jean Lloyd Webber war ihr Schwiegervater ein semiprofessioneller Musiker, der in mehreren anglikanischen Kirchen in London sang und auch bei BBC-Konzerten auftrat, darunter in Musicals und der in England populären Black and White Minstrel Show.[5] Seine bevorzugte Freizeitbeschäftigung bestand darin, so viele Orgeln in London und Umgebung zu besuchen, wie es seine Zeit und seine Finanzen zuließen. Oft nahm er seinen Sohn mit, und schon bald begann der junge William, selbst Orgel zu spielen und entwickelte ein Interesse an diesem Instrument, das fast an Besessenheit grenzte.[6][7]
Mit sieben Jahren trat William Webber in den City Boys’ Choir von St Mark’s (North Audley Street, Mayfair) in London ein und wurde mit 13 Jahren Sub-Organist in St Mary’s, Graham Street (heute Bourne Street) in London. Zwei Jahre später, 1929, wurde er Organist an der Christ Church (Newgate Street), wo er bis 1932 tätig war.
Bereits als 14-Jähriger konzertierte William Webber als Organist in London und Großbritannien und machte auch Aufnahmen für die BBC.[8] Er erhielt ein Orgelstipendium für die Londoner Mercer’s School und ein weiteres Stipendium für ein Studium ab 1931 am Royal College of Music, wo er Komposition bei Ralph Vaughan Williams, Harmonielehre und Kontrapunkt bei Charles Herbert Kitson und Orgel bei Henry Ley und Henry Walford Davies studierte.

Da es an dieser Musikhochschule einen weiteren Studenten namens William Webber gab, benutzte William seit dieser Zeit seinen dritten Vornamen Lloyd als Bestandteil seines Nachnamens. 1932 wurde er Organist an St Cyprian’s, Clarence Gate; 1933, mit 19 Jahren, erhielt Lloyd Webber sein Diploma of Fellow (FRCO), 1938 den D.Mus (Promotion in Musik).[1][9][10]
Berufliche Laufbahn
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Lloyd Webbers früheste bekannte Kompositionen sind ein Prelude and Fugue für Orgel (1936; unveröffentlicht), und das Fantasy Trio für Violine, Violoncello und Klavier, ebenfalls aus dem Jahre 1936, komponiert im Alter von 22 Jahren; das Fantasy Trio wurde erst am 2. November 1995 vom Solomon Trio im Purcell Room (ein Konzertsaal im Londoner Southbank Centre) uraufgeführt.[11] Obwohl der Zweite Weltkrieg seine kompositorische Tätigkeit weitgehend unterbrach (er war von 1939 bis 1949 Organist und Music Director an All Saints Margaret Street im Londoner Stadtviertel Marylebone), markierte das Kriegsende 1945 den Beginn von Lloyd Webbers produktivsten Jahren als Komponist.1942 heiratete er die Pianistin und Violinistin Jean Hermione Johnstone (1921–1993),[12] mit der er zwei Söhne hatte, die internationale Bekanntheit erlangten: der Komponist Andrew Lloyd Webber (* 22. März 1948), und der Cellist Julian Lloyd Webber (* 14. April 1951). Anlässlich seiner Hochzeit am 3. Oktober 1942 komponierte William Lloyd Webber das seiner Frau gewidmete Benedictus für Violine und Orgel; das Brautpaar spielte dieses Werk gemeinsam bei ihrer eigenen Trauung.[13]
Von 1945 bis Mitte der Fünfziger Jahre komponierte William Lloyd Webber Musik in vielen verschiedenen Formen: Orchesterwerke, Kammermusik und zahlreiche Lieder, Orgelwerke sowie geistliche und weltliche Vokalmusik. Zu den Werken aus dieser Zeit zählen das Oratorium St. Francis of Assisi (1948) und die sinfonische Dichtung Aurora für Orchester (1948). St. Francis of Assisi wurde zu William Lloyd Webbers Lebzeiten nie aufgeführt; die Weltpremiere fand am 23. Juni 2003 beim Chelsea Festival in der Holy Trinity Church (Sloane Street) in London statt, mit der Joyful Company of Singers und der Academy of St Martin in the Fields unter der Leitung von Peter Broadbent.[14] Laut Julian Lloyd Webber wurde Aurora kurz nach seiner Entstehung ein einziges Mal von einem BBC-Orchester unter der Leitung von Alexander Gibson aufgeführt und geriet dann in Vergessenheit. Von der BBC-Aufführung war eine Acetat-Schallplatte angefertigt worden, und in späteren Jahren erlebte Julian, wie sich sein Vater mitten in der Nacht diese Aufnahme anhörte und „sich die Augen ausweinte“.[6] Erst 1986 wurde Aurora vom London Philharmonic Orchestra unter der Leitung von Lorin Maazel erstmals eingespielt. William Lloyd Webber war nicht geneigt, für seine Musik zu werben; folglich versuchte er weder, Aufführungen seiner Werke zu organisieren, noch Kontakt zu Konzertveranstaltern oder Redakteuren der Musikpresse aufzunehmen.[8] William Lloyd Webbers Wurzeln lagen fest in der romantischen Tradition von Komponisten wie César Franck, Sergej Rachmaninow und Jean Sibelius, und Lloyd Webber war zunehmend davon überzeugt, dass seine eigene Musik „nicht im Einklang“ mit dem vorherrschenden Zeitgeist stand.[15] Statt seinen persönlichen Stil zu kompromittieren, wandte sich William Lloyd Webber zunehmend der akademischen Seite des britischen Musiklebens zu.[7][16] Zwischen den Fünfziger und späten Siebziger Jahren komponierte er vorwiegend liturgische Vokal- und Orgelmusik, darunter zwanzig Anthems, die sechs Kantaten Songs of Spring (1953), The Divine Compassion (1954), Look on the fields (1955), The Saviour (1961), The Good Samaritan (1964) und Born a King (1993 posthum veröffentlicht), sowie die Missa Princeps Pacis (1962).

1946 wurde Lloyd Webber Professor für Harmonielehre und Kontrapunkt am Royal College of Music in London, wo zu seinen zahlreichen Studenten unter anderem Malcolm Arnold, Julian Bream und John Lill zählten. 1958 wurde er Music Director und Organist an der Westminster Central Hall[17][18] und übernahm 1964 zusätzlich als Direktor die Leitung des London College of Music. Beide Positionen hatte er bis zu seinem Tode 1982 inne. Gegen Ende seines Lebens wandte sich Lloyd Webber wieder verstärkt dem Komponieren zu; in dieser Zeit entstand unter anderem die Missa Sanctae Mariae Magdalenae (1979) und Five Portraits for Home Organs (1980).[16] 1980 wurde William Lloyd Webber in Anerkennung seiner Verdienste am London College of Music als Commander in den Order of the British Empire (CBE) aufgenommen.[19]
William Lloyd Webber verstarb 1982 überraschend im Alter von 68 Jahren in London. Er wurde im Golders Green Crematorium in London eingeäschert und seine Asche in den Lawns of Remembrance verstreut.
William Lloyd Webbers kompositorisches Schaffen erfährt seit mehreren Jahren eine zunehmende Wertschätzung und Wiederentdeckung, nicht zuletzt durch das Engagement seines Sohnes Julian Lloyd Webber, der zahlreiche Kompositionen im Nachlass seines Vaters entdeckt, eingespielt und im Druck wiederveröffentlicht hat, einschließlich mehrerer Erstveröffentlichungen.[20][21]
Das Requiem (1985) von Andrew Lloyd Webber ist dem Andenken seines Vaters William Lloyd Webber gewidmet.
Kompositionen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]→ Hauptartikel: Liste der Kompositionen von William Lloyd Webber.
Diskografie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- William Lloyd Webber: Aurora. Andrew Lloyd Webber: Variations on a Theme of Paganini for cello and orchestra. Julian Lloyd Webber, Violoncello. London Philharmonic Orchestra/Lorin Maazel. Aufgenommen in den Abbey Road Studios. London: Philips, 1986. 1 LP/1 CD/1 Musikkassette.
- Organ Works of William Lloyd Webber. Festal march (1953); Vesper hymn (1953); Prelude on Winchester New (1953); Chorale, Cantilena and Finale (1958); Prelude (1953); Intermezzo (1956); Slumber Song (1956); Elegy; Trumpet minuet (1953); Song without words (1953); Good King Wenceslas (1960); Coventry Carol (1960); God rest you merry, Gentlemen (1960); Aria (1953); Choral march (1953); Prelude on Stracathro (1975); Solemn Procession (1961); Three Recital Pieces (1952); Jane Watts an der Willis-Orgel in der Salisbury Cathedral. Leighton Buzzard, Bedfordshire: Priory Records, 1997. 1 CD.
- William Lloyd Webber: Invocation. Serenade for Strings (1961–1980); Invocation (1957); Lento (1939); Three Spring Miniatures für kleines Orchester (1952); Aurora (1948); Nocturne für Violoncello und Harfe (1948); Love divine, all Loves excelling (1966); Benedictus für Violine und Orgel (1942); Missa Princeps Pacis (1962); Jesus, Dear Jesus (1966). Tasmin Little, Julian Lloyd Webber, City of London Sinfonia, Richard Hickox. Colchester: Chandos, 1998. 1 CD.
- William Lloyd Webber: Piano Music, Chamber Music and Songs. Three Spring Miniatures für Klavier (1952); A Song for the Morning (Recreation – Six Pieces for piano, 1953); Mulberry Cottage für Flöte und Klavier (Country Impressions, 1960); Sonatina für Flöte und Klavier (1941); The Gardens At Eastwell (A Late Summer Impression) für Flöte und Klavier (1982); Air and Variations für Klarinette und Klavier (1952); Frensham Pond (Aquarelle) für Klarinette und Klavier (Country Impressions, 1960); Fantasy Trio (1936); Over the Bridge (1951); How do I love Thee; To the Wicklow Hills (1954); The Call of the Morning (1950); The Forest of Wild Thyme (1951); Sun-Gold; Love, like a drop of dew (1950); I looked out into the Morning (1951). John Mark Ainsley, Ian Brown, The Nash Ensemble. London: Hyperion, 1998. 1 CD.
- Sacred Choral Music of William Lloyd Webber. A hymn of Thanksgiving (1964); Missa Princeps Pacis (1962); Lo! My Shepherd is Divine; Dominus Firmamentum Meum; Missa Sanctae Mariae Magdalenae (1979); O Love, I give myself to Thee; Tantum Ergo; Magnificat and Nunc Dimittis in E minor (1956); Most glorious Lord of Lyfe! (1959); Love divine, all Loves excelling (1966); Sing the Life: Easter Carol (1965); The Stable where the Oxen stood; New Life in Christ. The Choir of All Saints Church, Margaret Street, London; Harry Bramma. Leighton Buzzard, Bedfordshire: Priory Records, 1999. 1 CD.
- William Lloyd Webber: The Saviour. Sing, O Heavens (1957); O for a closer walk with God (1957); Oh, Lord spread Thy wings oe’r me (1952); Six Interludes on Passion Hymns for organ (1963): There is a green hill far away; When I survey the wondrous Cross; Ride on, ride on in Majesty; O come and mourn with me awhile; O sacred head sore wounded; Praise to the holiest in the height (1963); The Saviour (1961). Shaun Turnbull (organ); Choir of Leeds Minster; Alexander Woodrow. Leighton Buzzard, Bedfordshire: Priory Records, 2025. 1 CD.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Offizielle Website zu William Lloyd Webber (englisch, verwaltet von Julian Lloyd Webber).
- Rob Barnett (o. J.). An interview with Julian Lloyd Webber about his father, the composer William Lloyd Webber, auf www.musicweb-international.com (englisch).
- Ben Collis (2014). Feature Review: A Celebration of William Lloyd Webber at St Martin-in-the-Fields, auf www.classicalsource.com (11. März 2014) (englisch).
- John France (2002/2014). William Lloyd Webber: An Impressionistic View, auf www.musicweb-international.com (englisch).
- John France (2021). The Life and Music of William Lloyd Webber, auf www.britishmusicsociety.co.uk (englisch).
- Peter Hunter und Jean Lloyd Webber (1990). William Southcombe Lloyd Webber (1914–1982): A Personal Reflection and Appreciation, auf www.robinmilfordtrust.org.uk (englisch).
- Julian Lloyd Webber (2004). A voyage around my father. Julian Lloyd Webber pays tribute to a great composer he feels has been criminally neglected, auf www.theguardian.com (16. April 2004) (englisch).
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 John France: The Life and Music of William Lloyd Webber. (PDF) In: www.britishmusicsociety.co.uk. 2021, S. 39, abgerufen am 25. Juni 2026 (englisch).
- ↑ Family tree of William Charles Henry Webber. In: Geneanet. Abgerufen am 25. Juni 2026 (englisch).
- ↑ Family tree of Winifred Mary Gittins. In: Geneanet. Abgerufen am 25. Juni 2026 (englisch).
- ↑ Family tree of Winifred Margaret Webber. In: Geneanet. Abgerufen am 25. Juni 2026 (englisch).
- ↑ Peter Hunter, Jean Lloyd Webber: William Southcombe Lloyd Webber (1914–1982): A Personal Reflection and Appreciation. (PDF) In: www.robinmilfordtrust.org.uk. 1990, S. 2, abgerufen am 25. Juni 2026 (englisch).
- 1 2 Julian Lloyd Webber: A voyage around my father. Julian Lloyd Webber pays tribute to a great composer he feels has been criminally neglected. In: theguardian.com. 16. April 2004, abgerufen am 25. Juni 2026 (englisch).
- 1 2 Julian Lloyd Webber: Biography – William Lloyd Webber. In: williamlloydwebber.com. 2025, abgerufen am 25. Juni 2026 (englisch).
- 1 2 John France: William Lloyd Webber – An impressionistic view. In: musicweb-international.com. Dezember 2002, abgerufen am 25. Juni 2026 (englisch).
- ↑ Peter Hunter, Jean Lloyd Webber: William Southcombe Lloyd Webber (1914–1982): A Personal Reflection and Appreciation. (PDF) In: www.robinmilfordtrust.org.uk. 1990, S. 3, abgerufen am 25. Juni 2026 (englisch).
- ↑ Rob Barnett: An interview with Julian Lloyd Webber about his father, the composer William Lloyd Webber. In: musicweb-international.com. Abgerufen am 25. Juni 2026 (englisch).
- ↑ John France: The Life and Music of William Lloyd Webber. (PDF) In: britishmusicsociety.co.uk. 2021, S. 43, abgerufen am 25. Juni 2026 (englisch).
- ↑ John Lill: Obituary: Jean Lloyd Webber. The Independent, 14. Dezember 1993, abgerufen am 25. Juni 2026 (englisch).
- ↑ Ben Collis: Feature Review: A Celebration of William Lloyd Webber at St Martin-in-the-Fields [11 March 2014] - The Classical Source. In: classicalsource.com. 12. März 2014, abgerufen am 25. Juni 2026 (englisch).
- ↑ John France: The Life and Music of William Lloyd Webber. (PDF) In: britishmusicsociety.co.uk. 2021, S. 44, abgerufen am 25. Juni 2026 (englisch).
- ↑ Peter Hunter, Jean Lloyd Webber: William Southcombe Lloyd Webber (1914–1982): A Personal Reflection and Appreciation. (PDF) In: robinmilfordtrust.org.uk. 1990, S. 1–2, abgerufen am 25. Juni 2026 (englisch).
- 1 2 John France: The Life and Music of William Lloyd Webber. (PDF) In: britishmusicsociety.co.uk. Abgerufen am 25. Juni 2026 (englisch).
- ↑ Dr William Lloyd-Webber (father of Andrew and Julian) appointed Director of Music in 1958. Methodist Central Hall, abgerufen am 25. Juni 2026 (englisch).
- ↑ Julian Lloyd Webber talks about his father's music: the composer William Lloyd Webber. In: YouTube. 22. Januar 2018, abgerufen am 25. Juni 2026 (englisch).
- ↑ William Lloyd Webber: Obituary. In: The Musical Times. Anglo-American Issue. Vol. 124, Nr. 1685, Juli 1983, S. 446, JSTOR:960840 (englisch).
- ↑ Works – William Lloyd Webber. In: williamlloydwebber.com. Abgerufen am 25. Juni 2026 (englisch).
- ↑ The Centenary Collections (Kevin Mayhew Publishers) von Born a King, Centenary Organ Collection, The Divine Compassion, Missa Princeps Pacis und Missa Sanctae Mariae Magdalenae von William Lloyd Webber.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Lloyd Webber, William |
| ALTERNATIVNAMEN | Lloyd Webber, William Southcombe; Webber, William Southcombe Lloyd (wirklicher Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | britischer Komponist |
| GEBURTSDATUM | 11. März 1914 |
| GEBURTSORT | London |
| STERBEDATUM | 29. Oktober 1982 |
| STERBEORT | London |