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Diedergruppe

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Diese Schneeflocke hat dieselbe Symmetriegruppe wie ein regelmäßiges Sechseck, die Diedergruppe .

In der Gruppentheorie ist die Diedergruppe als semidirektes Produkt erklärt (siehe unten) und enthält daher genau Elemente. Für ist diese Gruppe isomorph zur Isometriegruppe eines regelmäßigen Polygons in der Ebene. Sie ist dann nicht-abelsch und enthält Drehungen und Achsenspiegelungen. Ihr Name leitet sich vom Wort Dieder für regelmäßige -Ecke ab. Diese Gruppen treten häufig in der Geometrie und Gruppentheorie auf, werden von zwei Spiegelungen (Elementen der Ordnung ) erzeugt und sind damit die einfachsten Beispiele von Coxeter-Gruppen.

Es gibt für Diedergruppen zwei abweichende Bezeichnungen. In der Geometrie schreibt man üblicherweise , um den Zusammenhang mit dem regelmäßigen -Eck zu unterstreichen. In der Gruppentheorie schreibt man oft auch , um stattdessen die Ordnung hervorzuheben. Diese Zweideutigkeit lässt sich jedoch leicht durch eine erläuternde Ergänzung beheben. In diesem Artikel steht für die Diedergruppe mit Elementen.

Die Diedergruppe kann für als die Isometriegruppe eines regelmäßigen -Ecks in der Ebene definiert werden. Diese besteht aus Drehungen und Spiegelungen, hat also insgesamt Elemente. Die Isometrien bezeichnet man auch als Symmetrietransformationen. Als Verknüpfung der Gruppe dient die Hintereinanderausführung von Symmetrietransformationen. Sie wird häufig mit bezeichnet und die Gruppe dann auch ausführlicher mit

In den Fällen und führt die geometrische Definition jedoch zu anderen Gruppen. Daher ist hier die algebraische Definition über das semidirekte Produkt vorzuziehen (dabei ist in dem semidirekten Produkt die Operation von auf durch Inversion gegeben). Diese algebraische Definition gilt für alle .

Ein Beispiel ist die Diedergruppe der Kongruenzabbildungen eines gleichseitigen Dreiecks auf sich, die isomorph zur symmetrischen Gruppe ist. ist entsprechend die Symmetriegruppe des Quadrats unter Spiegelungen und Drehungen.

ist isomorph zur Kleinschen Vierergruppe und ist die Symmetriegruppe (bestehend nur aus den beiden Spiegelungen, der Drehung um 180° und der Identität) von den vier Ecken eines Quadrats, bei dem nur die rechte und linke Seite eingezeichnet sind (also zwei Zweiecke). ist die Symmetriegruppe eines Zweiecks.

ist auch die Symmetriegruppe eines nicht gleichseitigen Rechtecks oder einer nicht gleichwinkligen Raute. ist auch die Symmetriegruppe eines gleichschenkligen Dreiecks, das nicht gleichseitig ist.

Die folgende Grafik illustriert die Diedergruppe anhand der Drehungen und Spiegelungen eines Stoppschildes: Die erste Zeile zeigt die acht Drehungen, die zweite Zeile die acht Spiegelungen.

Matrix-Darstellung

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Wir betrachten ein ebenes regelmäßiges -Eck. Seinen Mittelpunkt wählen wir als Nullpunkt eines Koordinatensystems, irgendeine seiner Symmetrieachsen als -Achse und die Normale dazu (in üblicher Orientierung, sodass sich ein Rechtssystem ergibt) als -Achse. Die Diedergruppe lässt sich dann leicht als Matrizengruppe darstellen. Hierzu sei die Drehung um um den Winkel und die Spiegelung an der Geraden durch , die im Winkel gegenüber der positiven -Achse geneigt ist. Als Matrizen schreiben sich diese Transformationen dann so:

Hierbei fallen folgende Relationen auf:

  • und . Daher können wir uns auf beschränken.
  • , die Drehung um den Winkel , ist die Identität.
  • ist die Drehung um den Winkel und es gilt für alle .
  • ist die Spiegelung an der -Achse und es gilt für alle .

Wenn ungerade ist, dann verläuft jede der Spiegelachsen durch einen Eckpunkt und den Mittelpunkt der gegenüberliegenden Seite. Für gerades gibt es hingegen zwei Arten von Spiegelachsen, durch zwei gegenüberliegende Eckpunkte oder durch zwei gegenüberliegende Seitenmittelpunkte.

In dieser Darstellung schreiben sich zum Beispiel die acht Elemente der Diedergruppe wie folgt:

Diese Drehungen und Spiegelungen lassen sich bildlich wie folgt darstellen:

Zykel-Graph von :
ist die Drehung um 90° im Uhrzeigersinn.
ist die Spiegelung an der vertikalen Mittelachse.

(Drehung um 0°)

(Drehung um 90°)

(Drehung um 180°)

(Drehung um 270°)

(Spiegelung an der x-Achse)

(Spiegelung an der Diagonale y=x)

(Spiegelung an der y-Achse)

(Spiegelung an der Diagonale y=-x)
Drehungen und Spiegelungen eines Quadrates. Die vier Ecken sind nummeriert und eingefärbt, um die Transformation bildlich darzustellen.

Permutations-Darstellung

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Betrachten wir zunächst als Beispiel die Diedergruppe . Diese operiert durch Symmetrietransformationen auf einem Quadrat wie in der vorangehenden Grafik gezeigt. Betrachtet man die Aktion der Diedergruppe auf den Eckpunkten , erhält man eine treue Darstellung in die symmetrische Gruppe , also einen injektiven Gruppenhomomorphismus . Genauer gesagt wirken die Transformationen auf den Ecken als folgende Permutationen:

Ganz allgemein definiert die Operation der Diedergruppe auf den Eckpunkten eine treue Darstellung . In obiger Notation erhält man zum Beispiel die Permutation

In Zyklenschreibweise ist dies die zyklische Permutation, die auf abbildet, auf und so weiter, bis schließlich auf abgebildet wird. Die weiteren Drehungen erhält man hieraus mittels der Relation für alle . Für die Spiegelung an der Symmetrieachse durch erhält man entsprechend in Zyklenschreibweise

mit der Gaußschen Ganzteilfunktion (die jeder reellen Zahl die größte ganze Zahl zuordnet, die nicht größer als ist). Die weiteren Spiegelungen erhält man hieraus mittels der Relation für alle (mit ).

Erzeuger und Relationen

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Alle Drehungen werden von erzeugt. Diese bilden eine zyklische Untergruppe der Ordnung und demnach von Index . Man erhält die gesamte Gruppe durch Hinzufügen einer beliebigen Spiegelung, zum Beispiel , und so die Präsentation

wobei das neutrale Element der Gruppe ist.

Cayleygraph der Diedergruppe

Aus den letzten beiden Gleichungen folgt und daraus

für alle ganzen Zahlen (zunächst induktiv nur für aber hieraus auch ). Mit ergibt sich noch

Die Verkettung von zwei Spiegelungen ist eine Drehung. Ist der Winkel zwischen den beiden Spiegelachsen , so ist diese Verkettung eine Drehung um den Winkel . Das bedeutet, dass die Diedergruppe von zwei benachbarten Spiegelungen, zum Beispiel und , erzeugt wird. Man erhält so die Präsentation

Dies ist der einfachste Fall einer Coxeter-Gruppe.

Für alle Indizes und gilt außerdem:

Dabei werden die Indizes jeweils modulo betrachtet ( und ).

Diedergruppen sind die einfachsten Beispiele von Spiegelungsgruppen. Diese spielen in der klassischen Geometrie eine wichtige Rolle, zum Beispiel bei der Klassifikation der regulären Polyeder. In Dimension entsprechen hier Diedergruppen den regulären Polygonen.

Manche Prüfsummenverfahren beruhen auf Diedergruppen – als Alternative zu diversen modulo-basierten Verfahren. So wurde bei den 11-stelligen Nummern der 10- bis 1000-DM-Banknoten der vierten Serie (der letzten vor dem Euro) ein Prüfzeichen-Code über der Diedergruppe verwendet[1][2] (für die 10-stelligen Nummern der 5-DM-Scheine wurde er in naheliegender Weise modifiziert).

Permutation f der Diedergruppe D₅
Permutation f der Diedergruppe D₅

Der Code lässt sich als die Menge aller 11-Tupel

auffassen, welche die folgende Kontrollgleichung erfüllen:

mit der durch die Skizze gegebenen bijektiven Abbildung und deren Iterierten wie etwa ( und wie oben). Der Code lässt jeden Einzelfehler erkennen, ebenso jede Nachbar-Vertauschung („Zahlendreher“) – außer der von mit (es wurde vergessen, mit abzubilden[1]).

5 Drehungen5 Spiegelungen
Gruppenelement
Ziffer0123456789
BuchstabeADGKLNSUYZ

Bei den Nummern sind die Gruppenelemente durch Buchstaben und durch Ziffern gemäß der Tabelle symbolisiert (die Ziffer an der letzten Stelle ist das Prüfzeichen).

Beispiel. Die Nummer AA6186305Z2 eines 100-DM-Scheins[2] entspricht dem 11-Tupel

Um zu zeigen, dass die Kontrollgleichung tatsächlich erfüllt, werden zunächst die einzelnen Faktoren der linken Seite an der Skizze abgelesen: und so fort. Dann wird ihr Produkt bestimmt und vereinfacht, insbesondere mit den drei in Klammern stehenden Rechenregeln in für ganzzahliges

und somit ist auch

Einzelnachweise

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  1. 1 2 Albrecht Beutelspacher: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser! Vom Nutzen elementarer Mathematik zum Erkennen von Fehlern. In: Jahrbuch Überblicke Mathematik. 1995, ISSN 0172-8512, DNB 011466979, S. 2737.
  2. 1 2 Ralph-Hardo Schulz: Codierungstheorie. Eine Einführung. 2., aktualisierte und erweiterte Auflage. Vieweg, Wiesbaden 2003, ISBN 3-528-16419-0, S. 6466.