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Burgerbibliothek Bern

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Burgerbibliothek Bern
Archivtyp
Koordinaten 46° 56′ 50,4″ N,  26′ 54,2″ OKoordinaten: 46° 56′ 50,4″ N,  26′ 54,2″ O; CH1903: 600742 / 199584
Ort Bern, Kanton Bern, Schweiz Schweiz
Besucheradresse Münstergasse 63
3011 Bern
Gründung 1528 / 1951
Umfang 3600 Laufmeter, 1100 Handschriften, 280 000 Bilddokumente[1]
Laufzeit des Archivguts
Träger Burgergemeinde Bern
Leitung {{{Leitung}}}
Organisationsform
Webseite www.burgerbib.ch

Die Burgerbibliothek Bern ist eine Kulturinstitution der Schweizer Burgergemeinde Bern. Sie sammelt, erschliesst und bewahrt Verwaltungs- und private Archive, Handschriften sowie historische Bilddokumente. Sie macht ihre Bestände der interessierten Öffentlichkeit und der Forschung zugänglich. Die Bestände können im Archivkatalog recherchiert, bestellt und anschliessend kostenlos im Lesesaal oder, bei digitalisiertem Archivgut, direkt online eingesehen werden. Die Burgerbibliothek Bern beteiligt sich am kulturellen Leben der Stadt Bern mit Veranstaltungen und Publikationen.

Die Ursprünge der Burgerbibliothek Bern reichen in die Zeit der Reformation zurück. Um Theologen im reformierten Glauben ausbilden zu können, wurde 1528 eine Hohe Schule inklusive Bibliothek im ehemaligen Franziskanerkloster gegründet.[2] Diese Bibliothek baute einerseits auf den Buchbeständen der obrigkeitlichen 'libery' der vorreformatorischen Lateinschule auf. Andererseits übernahm die Bibliothek nicht-liturgische Buchbestände der aufgehobenen Klöster, insbesondere des Klosters Thorberg.

Dank Schenkungen wuchs die Bibliothek der Hohen Schule rasch. 1632 schenkte Jakob Graviseth (1598–1658) die Handschriftensammlung seines Patenonkels, des französischen Humanisten und Diplomaten Jacques Bongars (1554–1612) der Bibliothek. Zum einen kamen auf diese Weise fast 3700 Bände in die Bibliothek. Zum andern öffnete sie sich für die Öffentlichkeit, da eine der Bedingungen von Graviseth war, dass die Sammlung seines Patenonkels öffentlich zugänglich wurde. Aus der Hochschulbibliothek war damit eine burgerliche Stadt- und Hochschulbibliothek geworden.

Aufgrund der seit dem 19. Jahrhundert immer wieder auftauchenden Frage der Finanzierung der Stadt- und Hochschulbibliothek kam es 1951 zu einer grundlegenden Neuorganisation derselben: Die gedruckten Bestände gingen über in die Stiftung Stadt- und Universitätsbibliothek Bern, heute Universitätsbibliothek Bern.[2] Die Burgerbibliothek Bern übernahm als neugeschaffene Archivinstitution alle archivischen Bestände, die Sammlung mittelalterlicher Handschriften und zusätzlich ab 1976 die grafische Sammlung, Fotobestände und Gemälde. Seit den 1990er Jahren dient die Burgerbibliothek zudem als Archiv der Burgergemeinde Bern sowie der burgerlichen Gesellschaften und Zünfte. Trotz ihrer Funktion als Archiv mit Spezialsammlungen trägt die Burgerbibliothek Bern den historischen Namen.

Lage und Dienstleistungen

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Der Lesesaal, die Bestände und die Büros der Burgerbibliothek Bern befinden sich an der Münstergasse 63, in der Altstadt von Bern.

Im Lesesaal kann an zwölf Besucherarbeitsplätzen das Archivgut bestellt und vor Ort unentgeltlich eingesehen werden (keine Ausleihe).[3] Nach Rücksprache mit dem Lesesaalpersonal dürfen gewünschte Unterlagen ohne Blitzlicht fotografiert werden, sofern keine Rechte Dritter dagegen sprechen und die Dokumente konservatorisch unbedenklich und öffentlich zugänglich sind. Es gibt auch die Möglichkeit, kostenpflichtige Digitalisate zu bestellen.

Ergänzt werden die Archivbestände durch eine Präsenzbibliothek mit Publikationen zu den Archivbeständen und zu archivwissenschaftlichen Themen. Die Buchbestände sind über den Schweizer Bibliothekskatalog swisscovery recherchierbar und können im Lesesaal benutzt, aber nicht ausgeliehen werden.

Die Bestände der Burgerbibliothek sind in vier Bereiche gegliedert:

Burgerliche Archive

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Die Burgerbibliothek Bern macht die Verwaltungsarchive der Behörden, Institutionen und Abteilungen der Burgergemeinde Bern sowie der burgerlichen Gesellschaften und Zünfte zugänglich. Die Unterlagen aus diesem Bereich unterstehen dem kantonalen Archivierungsgesetz. Bei personenbezogenen Unterlagen gelten die Bestimmungen des Datenschutzgesetzes, weshalb die Benutzung teilweise eingeschränkt ist oder nur auf Gesuch gemäss Informationsgesetz möglich ist. Auf Anfrage leitet die Burgerbibliothek das Gesuch an die zuständige Stelle weiter.

Ein besonderer Bestand ist die mehr als 3500 Stücke umfassende Karten- und Plansammlung der Burgergemeinde, die auch online zugänglich ist.[4]

Titelblatt des Bibliothekskatalogs zur Bongarsiana

Bongarsiana, Codices

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Der Bestand an mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Codices umfasst rund 1000 Handschriften, darunter rund 200 Codices aus karolingischer Zeit. Der grösste Teil der Handschriftensammlung geht zurück auf den französischen Gelehrten und Diplomaten Jacques Bongars (1554–1612), dessen Sammlung 1632 nach Bern gekommen ist.[5] Zu den Zimelien der Sammlung gehören u. a. die einzige erhaltene Handschrift des Liber ad honorem Augusti des Petrus von Ebulo (12. Jh.), ein reich illustrierter Prudentius-Codex (9. Jh.) sowie verschiedene Kommentare zu Vergil und Lukan (9./10. Jh.), die als Scholia Bernensia bekannt sind.

Grafische Sammlung, Fotoarchiv und Gemälde

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Schwerpunkte der Sammlung sind die historische Topographie der Stadt Bern, ihre Umgebung (insbesondere bernische Schlösser und Landsitze), Sujets von kulturhistorischem Interesse, eine Porträtsammlung, die Dokumentation bernischer Porträts sowie Nachlässe und Teilbestände Berner Künstler und Künstlerinnen wie Theodor Zeerleder (1820–1868), Friedrich Walthard (1818–1870), Rudolf Münger (1862–1929), Hanni Bay (1885–1978), Victor Surbek (1885–1975), Marguerite Frey-Surbek (1886–1981), Paul Boesch (1889–1969), Roland Werro (1926–2018), Egbert Moehsnang (1927–2017), Rudolf Mumprecht (1918–2019) und Daniel de Quervain (1937–2020).

Als Privatarchive werden die in der Burgerbibliothek zugänglichen Archive privater Herkunft bezeichnet (im Unterschied zu staatlichen bzw. Verwaltungs- und Zunftarchiven). Dies umfasst Bestände von Einzelpersonen, Familien, Unternehmen, Vereinen und anderen Organisationen.

Manuscripta historica helvetica und Sammlung von Mülinen

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Bestände, die vor der Einführung des neuen Signaturensystems 1992 in die Stadt- und Hochschulbibliothek bzw. Burgerbibliothek Bern kamen, erhielten alle die Signatur Mss.h.h. für Manuscripta historica helvetica (früher auch als Mss. hist. helv. abgekürzt) oder Mss.Mül. für Manuscripta Mülinen. In diesen Beständen finden sich die Berner Chroniken, darunter die Amtliche Chronik und die Spiezer Chronik des Diebold Schilling des Älteren.

Familienarchive

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Die Burgerbibliothek Bern macht Archive bernburgerlicher Familien zugänglich. Daneben befinden sich in der Burgerbibliothek aber auch Bestände weiterer bernischer und schweizerischer Familien mit Bedeutung für Bern in den Bereichen Kultur, Gesellschaft, Wirtschaft, Wissenschaft oder Politik.

Beispiel eines Firmenarchivs: Papierfabrik Utzenstorf[6] (Foto zwischen 1907 und 1913)

Die Burgerbibliothek sammelt auch Unterlagen von Firmen, denen in der älteren oder jüngeren bernischen Geschichte in den Bereichen Kultur, Gesellschaft, Wirtschaft, Wissenschaft oder Politik eine besondere Bedeutung zukam bzw. zukommt.

Gesellschaftsarchive

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Als «Gesellschaftsarchive» werden in der Burgerbibliothek die Archive nicht gewinnorientierter Organisationen wie Vereine, Verbände und Stiftungen bezeichnet. Gesammelt werden vor allem Bestände von burgerlichen und stadtbernischen Organisationen.

Als «Nachlässe» werden in der Burgerbibliothek Bestände bezeichnet, die bei einer einzelnen natürlichen Person entstanden sind. Die Burgerbibliothek sammelt Nachlässe von Personen mit Bezug zu Bern aus den Bereichen Literatur, Kunst, Wissenschaft, Medizin und Politik. Zugänglich sind etwa die Nachlässe von  Albrecht von Haller, Karl Ludwig von Haller, Jeremias Gotthelf, Albert Anker, Rudolf von Tavel, Philipp Emanuel von Fellenberg, Johann Rudolf Gruner, Karl Howald, Ernst Kreidolf, Rudolf Abraham von Schiferli oder Gottlieb Samuel Studer.

Die heutigen (Stand 2026) Signaturen beginnen mit:

  • FA für Familienarchive
  • FI für Firmenarchive (Unternehmen) (Liste der Firmenarchive in der Burgerbibliothek Bern)
  • GA für Gesellschaftsarchive (Vereine und andere nicht gewinnorientierte Organisationen) (Liste der Gesellschaftsarchive in der Burgerbibliothek Bern)
  • N für Nachlässe von Einzelpersonen (Liste der Nachlässe in der Burgerbibliothek Bern)
  • AS für Autografensammlung
  • ES für Einzelstücke. Unter 'Einzelstücke' sind vereinzelt überlieferte Dokumente und Kleinbestände eingereiht, die nicht umfangreich genug sind, um von einem Archivbestand zu sprechen.
  • Claudia Engler: Stadt- und Universitätsbibliothek Bern. In: Handbuch der historischen Buchbestände der Schweiz, Bern 2003.
  • Die Burgerbibliothek Bern. Archiv, Bibliothek, Dokumentationsstelle. Stämpfli, Bern 2002, ISBN 3-7272-1220-9 (Festschrift zum 50-jährigen Jubiläum).
  • Schatzkammern. 200 Jahre Bücher, Handschriften und Sammlungen im Gebäude an der Münstergasse 61-63. In: Berner Zeitschrift für Geschichte und Heimatkunde, 56 (1994), 161–252. PDF: doi:10.5169/seals-246731
  • Hans A. Michel: Das wissenschaftliche Bibliothekswesen Berns vom Mittelalter bis zur Gegenwart. In: Berner Zeitschrift für Geschichte und Heimatkunde, 47 (1985), 167–234. PDF: doi:10.5169/seals-246337
  • Bibliotheca Bernensis 1974. Festgabe zur Einweihung des umgebauten und erweiterten Gebäudes der Stadt- und Universitätsbibliothek und der Burgerbibliothek Bern am 29. und 30. August 1974. Bern, 1974
  • Schätze der Burgerbibliothek Bern. Hrsg. im Auftrag der burgerlichen Behörden der Stadt Bern anlässlich der 600-Jahr-Feier des Bundes der Stadt Bern mit den Waldstätten von der Burgerbibliothek Bern, Bern 1953.
  • Die Stadt- und Hochschulbibliothek Bern. Zur Erinnerung an ihr 400jähriges Bestehen und an die Schenkung der Bongarsiana im Jahr 1632, Hans Bloesch (Hrsg.), Gustav Grunau, Bern 1932
Commons: Burgerbibliothek Bern – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

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  1. Burgerbibliothek Bern im ISIL-Verzeichnis, ohne Datum
  2. 1 2 Geschichte und Angebot: Burgerbibliothek Bern. Abgerufen am 17. Mai 2026.
  3. Übersichtsseite: Burgerbibliothek Bern. Abgerufen am 17. Mai 2026.
  4. Stadtpläne Bern. In: Burgerbibliothek Bern. Abgerufen am 17. Mai 2026.
  5. Claudia Engler: Arte et marte. Franz Ludwig von Erlach und die Bongarsiana. In: Im Auge des Hurrikans, eidgenössische Machteliten und der Dreissigjährige Krieg. Hrsg. von André Holenstein, Georg von Erlach und Sarah Rindlisbacher (= Berner Zeitschrift für Geschichte. Jg. 77, 2015, Nr. 3, Sonderausgabe). S. 34–50. PDF: doi:10.5169/seals-584045
  6. Firmenarchiv Papierfabrik Utzenstorf AG. katalog.burgerbib.ch, abgerufen am 17. Mai 2026.