Andøya Spaceport



Lage von Andøya in Norwegen |
Der Andøya Spaceport ist ein Weltraumbahnhof auf dem Gelände des Raketenstartplatzes Andoya (Andøya Rakettskytefelt), einem Startplatz für Raketen und Forschungsballons auf der nordnorwegischen Insel Andøya.[1] Der erste Raketenstart von Andøya fand am 18. August 1962 statt. Unter dem Projektnamen Ferdinand 1 erreichte eine Nike-Cajun-Rakete eine Flughöhe von 100 km. Seitdem wurden über 700 Höhenforschungsraketen von dort gestartet. Die größte Gipfelhöhe betrug 1460 km und wurde am 18. Januar 2008 von einer Black Brant 12 der NASA erreicht. Der erste erfolgreiche Orbitalstart erfolgte am 5. September 2026.
Seit 1996 findet hier auch das European Space Camp für Jugendliche und junge Erwachsene statt.
Raketenstarts mit deutscher Beteiligung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Raketenstartplatz Andøya wurde vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) im Rahmen von dessen Programm SHEFEX für den Start der Experimentalkörper SHEFEX I und SHEFEX II ausgewählt. SHEFEX-I startete am 28. Oktober 2005 auf einer zweistufigen Höhenforschungsrakete bestehend aus VS-30-Unterstufe und einer HAWK-Rakete als Oberstufe. Am 20. Juni 2012 wurde SHEFEX II mittels einer zweistufigen brasilianischen Feststoffrakete vom Typ VS-40 auf eine Höhe von 176 km geschossen.[2][3]
Die Betreibergesellschaft Andøya Space eröffnete am 2. November 2023 im Beisein von Kronprinz Haakon von Norwegen den Andoya Spaceport mit einem Startplatz für die Orbitalrakete Spectrum des deutschen Raumfahrtunternehmens Isar Aerospace. Der Bau weiterer Startplätze sei geplant.[4]
Der erste Start der Spectrum von Andøya war ursprünglich für 2023[5] angepeilt und anschließend für den 25. März 2025 angekündigt. Er musste aber wegen zu starken Windes verschoben werden.[6] Die Woche über wurden immer wieder Startversuche unternommen. Am 30. März 2025 startete die Rakete, geriet ins Trudeln und stürzte ab.[7][8][9]
Am 5. September 2026 erfolgte der erste erfolgreiche Start der Spectrum von Andøya aus. Damit erreichte erstmals eine privat entwickelte Trägerrakete vom europäischen Kontinent aus die Erdumlaufbahn.[10][11][12]
Launchpads
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Ab 1962 wurden auf dem Gelände des Raketenstartplatzes Andoya mehrere Launchpads errichtet, die im Laufe der Jahre mehrfach verändert wurden. Heute verfügt der Andøya Spaceport über die folgenden Raketenstartplätze:[13]
- Pad A1 – für Raketen bis Black Brant XII oder vergleichbar, auch für niedrige Höhe nutzbar.
- Pad A2 – für meteorologische Raketen und Schulungsraketen.
- Pad A3 – für Raketen bis Black Brant XII oder vergleichbar, auch für niedrige Höhe nutzbar.
- Pad A4 – für Raketen bis Black Brant XII, und teils auch größer.
- Pad A1 – für Raketen bis Black Brant XII oder vergleichbar, auch für niedrige Höhe nutzbar.
Diese fünf Startplätze sind allesamt für Suborbitalraketen, die in der Höhenforschung beispielsweise für meteorologische Messungen, Untersuchungen der Ionosphäre, für Schwerelosigkeits-Experimente und ähnlichem eingesetzt werden.
Von 2021 bis 2023 wurde rund 30 km weiter südlich bei Nordmela ein erster Startplatz für Orbitalraketen gebaut:
- Pad A, Startplatz für Orbitalraketen von Isar Aerospace[14]
Weitere Einrichtungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Andoya Space betreibt auch das geophysikalische Observatorium ALOMAR auf dem Berg Ramnan. Neben zwei Cassegrain-Teleskopen mit einem Spiegeldurchmesser von je 1,8 m[15] verfügt dieses Observatorium mit dem MAARSY über das stärkste VHF-Radarsystem in Nordeuropa.[16]
Zwischenfälle
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Am 25. Januar 1995 kam es zum sogenannten norwegischen Raketenzwischenfall. Als eine kanadische Höhenforschungsrakete vom Typ Black Brant XII eine Flugbahn verfolgte, die teilweise der einer Trident-Nuklearrakete ähnelt, lösten russische Radartechniker bei den Strategischen Raketentruppen Alarm aus. Infolgedessen wurde der russische Atomkoffer zu Präsident Jelzin gebracht und aktiviert. Als sich die Rakete ihrem beabsichtigten Ziel bei Spitzbergen näherte, beruhigte sich die Situation. Später stellte sich heraus, dass die Startankündigung in der russischen Bürokratie stecken geblieben war.[17]
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Website des Betreibers Andøya Space (englisch)
- Andoya Rocket Range. In: sat-net.com. (französisch).
- Andoya in der Encyclopedia Astronautica (englisch)
- Zahlreiche Bilder vom DLR-Experiment SHEFEX II (Seite dauerhaft nicht mehr abrufbar, festgestellt im März 2025. Suche im Internet Archive) auf der Webseite der Andøya Rocket Range
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Nå kommer millionene som kan gjøre Andøya til hovedsete for satellittoppskyting i Europa. NRK, 21. Mai 2020 (norwegisch).
- ↑ SHEFEX II. DLR, Institut für Flugsystemtechnik, archiviert vom (nicht mehr online verfügbar) am 6. April 2015; abgerufen am 31. Januar 2023.
- ↑ SHEFEX-Bilder auf der MORABA-Projektseite. moraba.de, abgerufen am 31. Januar 2023.
- ↑ Andøya Spaceport officially opened. Andøya-Space-Pressemeldung vom 2. November 2023.
- ↑ Isar Aerospace will hoch hinaus: Raketenstart noch dieses Jahr. Laura May, Münchner Merkur, abgerufen am 31. Januar 2023.
- ↑ lki/dpa/Reuters: Isar Aerospace: Deutsches Start-up verschiebt Raketenstart wegen Wetterbedingungen. In: Spiegel Online. 24. März 2025, abgerufen am 30. März 2025.
- ↑ MDR WISSEN: Erste deutsche Rakete stürzt nach 45 Sekunden ab. In: MDR.DE. 30. März 2025, abgerufen am 30. März 2025.
- ↑ Isar Aerospace: Livestream: First test flight of Isar Aerospace. 30. März 2025, abgerufen am 30. März 2025.
- ↑ Christian Speicher (Text): Die deutsche Spectrum-Rakete ist kurz nach dem Start abgestürzt. In: Neue Zürcher Zeitung. 30. März 2025, ISSN 0376-6829 (nzz.ch [abgerufen am 30. März 2025]).
- ↑ Raumfahrer net Redaktion: Die Spektrum Rakete fliegt bis in den Orbit - Raumfahrer.net. In: raumfahrer.net. 5. September 2026, abgerufen am 5. September 2026.
- ↑ Deutsche Trägerrakete Spectrum startet erfolgreich ins All. In: n-tv.de. Abgerufen am 5. September 2026.
- ↑ Thordis Schreiber, Julica Jungehülsing, AFP, dpa: Isar Aerospace: Rakete von deutscher Raumfahrtfirma hat Erdumlaufbahn erreicht. In: Die Zeit. 6. September 2026, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 6. September 2026]).
- ↑ Sub-orbital and science services. In: andoyaspace.no - Andøya Space. Abgerufen am 3. Oktober 2026 (englisch).
- ↑ Andøya Spaceport expands to the US, 3. September 2023.
- ↑ Beschreibung der Teleskop-Instrumentierung. Leibniz-Institut für Atmosphärenphysik, abgerufen am 31. Januar 2023.
- ↑ Kurzbeschreibung der Radaranlage. radartutorial.eu, abgerufen am 31. Januar 2023.
- ↑ False Alarms in the Nuclear Age. PBS, abgerufen am 31. Januar 2023.
Koordinaten: 69° 17′ 39″ N, 16° 1′ 15″ O
